E-Mobilisten protestieren am Hambacher Forst

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Rund 85 Elektroautos haben am Samstag, 29. September, eine Sternfahrt zum Hambacher Forst unternommen. Rund 200 E-Mobilisten protestierten dort in einer spontanen Kundgebung gegen die Braunkohleverstromung.

Die Teilnehmer waren aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, zwei sogar aus der Schweiz. „Von Kiel bis Rosenheim, von Berlin bis Saarbrücken – heute haben wir ein geräuschloses, aber weithin sichtbares Zeichen gesetzt: Wir wollen Sonne, Wind und Wasser in die Akkus und nicht diesen Braunkohle-Dreck!“, so der Hildener Bäckermeister Roland Schüren. Er hatte die Sternfahrt zusammen mit rheinischen E-Mobilisten, die sich von gemeinsamen Ladestopps am Ladepark Kreuz-Hilden kennen, organisiert.

Viele der aus der Ferne angereisten Teilnehmer waren erschüttert über die riesigen Dimensionen der Umweltzerstörung durch den Braunkohle-Tagebau. Bei einigen Teilnehmern gab es sogar feuchte Augen ob der Größe und Tiefe des Lochs in der Landschaft. „Wenn man das zum ersten Mal mit eigenen Augen sieht, durch fast verlassene und enteignete Geisterdörfer Richtung Abbruchkante fährt, wird einem schon ganz anders“, schildert eine Teilnehmerin. „Was für ein Aufwand! Kann das wirtschaftlich sein? Man erkennt in circa 400 Meter Tiefe einen schmalen dunkelbraunen Kohlestreifen. Das kann doch nur durch Subventionen und durch Sozialisieren von Folgekosten funktionieren“. Unter den Teilnehmern wurde viel diskutiert.

Roland Schüren richtete einen Aufruf an den Energieversorger: „Hallo RWE! – Wir tanken Strom, keinen Diesel, kein Benzin. Wir sind Stromkunden, die Euch meiden, wo es geht. Bitte steuert um! Ihr seid doch als erste mit einem sehr guten Ladenetzwerk früh gestartet (jetzt bei Innogy, bald bei E.ON). Dann macht doch das Folgerichtige und schickt auch erneuerbar erzeugten Strom in Eure Ladesäulen! Vielleicht nicht morgen, aber spätestens übermorgen. Und lasst als erstes Zeichen den Hambacher Forst stehen!“

E-Mobilisten zeigen, dass man auch heute schon überwiegend mit regenerativ erzeugtem Strom zeitgemäß individuell unterwegs sein kann. Sie laden oft aus der eigenen PV-Anlage oder aus öffentlichen Ladesäulen. Roland Schüren erläutert: „Wir kennen keinen E-Mobilisten, der keinen Ökostromvertrag hat. Das direkte Sonneladen kann wetterbedingt aber nun mal nicht immer klappen. Wir laden dann aus dem Netz zwar rechnerisch und bilanziell Ökostrom, nicht aber faktisch. Damit wir aber auch faktisch mehr mit erneuerbar erzeugtem Strom fahren können, muss der Klimakiller Nummer 1, die Braunkohle, schnell raus aus dem Netz. Denn mit jedem Prozentpunkt, mit dem unser Strommix erneuerbarer wird, werden unsere E-Autos sofort umweltfreundlicher. Auch die alten! Man muss dazu nichts umrüsten. Auch wenn wir die erwiesenermaßen über den Lebenszyklus umweltfreundlichste Antriebstechnik nutzen, ist uns klar, dass das umweltfreundlichste Auto das ist, was nicht fährt und nicht gebaut wird.“

Zum Punkt der Koppelung der Energieversorgung mit der Mobilität betont Roland Schüren, dass E-Mobilisten ihre Batterien auch gerne als Speichermedium und damit netzdienlich zur Verfügung stellten. Er forderte die Automobilindustrie, die schon E-Autos baut auf, die nötigen Informationen aus ihren Batterie-Managementsystemen zur Verfügung zu stellen oder selbst Lösungen dazu anzubieten. Dann werde sich die Energiewende hin zu Erneuerbaren noch schneller entwickeln und der Braunkohleausstiegschneller möglich.

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